Die Achtsamkeitsrevolution!

In allen Medien fällt ständig dieses Wort „Achtsamkeit“. Doch was bedeutet es genau und wie kannst du sie praktizieren? Vielleicht bist du ja schon achtsam in deinem Leben, nur würdest du es nicht mit diesem Wort betiteln. Vielleicht kann dir dieser Beitrag dabei helfen, mehr davon zu verstehen.

Achtsamkeit oder englisch „mindfulness“, bezeichnet einen Zustand der Aufmerksamkeit, indem der Geist klar und dennoch entspannt ausgerichtet ist. Sie zentriert die Aufmerksamkeit auf vorurteilsfreie Weise, ohne zu bewerten. Es bedeutet volle Wahrnehmung im „Hier und Jetzt“.

John Kabat-Zinn, Professor an der Medical School der University  of Massachusetts, gründete 1979 die Stress Reduction Clinic und wies bereits damals die positiven Auswirkungen von Achtsamkeit für Gesundheit und Wohlbefinden nach. Zuvor hatte er den koreanischen Zen studiert und Yoga gelernt.

Sein Achtsamkeitstraining (Mindfulness Based Stress Reduction, MBSR) hilft Menschen, besser mit Stress, Angst und Krankheiten umzugehen. Die positive Wirkung ist vielfach wissenschaftlich bestätigt worden.

Wenn Achtsamkeit also so zahlreiche positive Auswirkungen hat, warum wird sie dann bei uns so wenig praktiziert? Viele Menschen antworten auf diese Frage, dass sie im Alltag keine Zeit finden können um regelmäßig Achtsamkeit zu üben.

Doch nicht die reine Dauer des Trainings sondern die Regelmäßigkeit, ist für positive Resultate verantwortlich! Es genügen bereits fünf bis zehn Minuten am Tag!

Wer seine Aufmerksamkeit steuern kann, wird mehr wahrnehmen. Sowohl mehr von den äußeren, als auch mehr von den inneren Vorgängen. Achtsamkeit bedeutet, die innere Bewertung zu stoppen und die Gedanken in den Moment zu holen, statt sie in die Vergangenheit oder Zukunft schweifen zu lassen.

Da wir um Energie zu sparen normalerweise im Autopilot unterwegs sind, verpassen wir oft bewusste schöne Momente zu entdecken und diese zu genießen. Achtsamkeit ist vielleicht auch so etwas wie Fitnesstraining für den Geist! Ein gezieltes Training der eigenen Aufmerksamkeit.

Wann hast du zum letzten Mal an einer Blume geschnuppert? Den lieblichen Duft wahrgenommen, mit geschlossenen Augen? Wann hast du zum letzten Mal einer Schnecke dabei zugesehen, wie sie ihre Fühler ausrichtet?

Wann hast du zum letzten Mal bei deinem Lieblingssong die Augen geschlossen und die Schmetterlinge im Bauch gespürt, als eine schöne Erinnerung in dir aufstieg? Wann hast du zum letzten Mal ein Stück Schokolade ganz bewusst genossen, ohne es herunter zu schlingen?

Wer achtsam lebt, stellt fest, dass sein Empfinden von Glück und Lebensfreude nicht von äußeren Bedingungen abhängig ist.  Man entwickelt sich weg von dem oft stressbedingten Kampf- oder  Fluchtmodus, und lernt Stressgefühle einfach nur zu betrachten, anstatt immer gleich auf eine Situation zu reagieren. Man erlebt, wie auch bei der Meditation, neurologische Veränderungen und entwickelt dadurch einen klaren und stabilen Geist.

Ich versuche regelmäßig Achtsamkeitsseminare zu besuchen, mein aktueller Workshop „Achtsame Selbstfürsorge“ ist nun 14 Tage her.

Hier stelle ich dir also kurz nur einige der klassischen formellen Achtsamkeitsübungen vor. Diese Übungen trainieren die eigene Aufmerksamkeit auf einen zuvor definierten Zeitraum zu beschränken, und den Fokus auf eine bestimmte Sache auszurichten:

Gehmeditation

Bei der Gehmeditation geht es darum, dass wir unsere Aufmerksamkeit ganz bewusst auf die Tätigkeit des Gehens lenken. Auch geht es darum, jeden einzelnen Schritt ganz bewusst wahrzunehmen. Die Gehmeditation hat nicht das Ziel irgendwo anzukommen, sondern der Prozess des Gehens ist die eigentliche Übung.

Wir gehen die meiste Zeit ganz automatisch und gedankenverloren. Wir trinken während des Gehens Kaffee, grübeln über 1000 Dinge nach oder telefonieren. Dadurch verlieren wir den Bezug zu unserem Körper und fühlen uns gehetzt.

Bodyscan

Der Bodyscan bezeichnet eine achtsame Körperreise. Sie trainiert das Bewusstsein und kann dabei helfen, Körperverspannungen wahrzunehmen. Du richtest Schritt für Schritt deine Aufmerksamkeit auf unterschiedliche Körperbereiche. Die dabei entstehenden Gefühle und Gedanken oder Empfindungen solltest du möglichst ohne Bewertung wahrnehmen.

Atemübung

Auch hierbei geht es um bewusstes Atmen. Es ist wichtig sich klar zu machen, dass es nicht darum geht etwas zu kontrollieren oder zu ändern. Du beobachtest nur. Im täglichen Leben atmest du über 20.000 Mal am Tag, ohne es überhaupt zu bemerken!

Bewusstes Ein- und Ausatmen hilft zu entspannen und sich besser zu konzentrieren. Du kannst im Alltag immer wieder zurück zu deinem Atmen kommen, denn du hast ihn ja immer dabei. Dies kann ein wertvoller Anker in turbulenten Zeiten für dich sein.

Rosinenübung

Dieser Klassiker unter den Übungen dient dazu, dir den Genuss beim Essen wieder näher zu bringen.  Du betrachtest die Rosine aufmerksam und nimmst zunächst mit den Augen wahr, wie diese beschaffen ist. Anschließend nimmst du den Geruch wahr, schließlich den Geschmack und das Kauen.

Es bedeutet somit achtsames Essen mit allen Sinnen: sehen, hören, spüren, riechen und schmecken. Natürlich kannst du auch ein anderes Lebensmittel benutzen, falls du Rosinen nicht magst. Ich mache diese Übung sehr gerne mit einer Orange, Schokolade eignet sich natürlich auch hervorragend.

Wie du siehst ist es gar nicht so schwer etwas mehr Achtsamkeit in dein Leben zu bringen. Vielleicht hat es dir Lust gemacht, wieder eine neue Perspektive einzunehmen und die Dinge von einer anderen Seite zu betrachten.

Vielleicht lässt du dich dazu anregen, wieder etwas mehr Platz für die Freude am Moment zu machen. Denn denke immer daran, das kleine Glück ist überall zu finden, wenn du achtsam bist und genauer hinsiehst!